Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und ist aus der Lerntheorie entstanden. Im Gegensatz zur Psychoanalyse, gibt es in der Verhaltenstherapie nicht den einen Entdecker. Es handelt sich um eine Therapieform die am stärksten den Naturwissenschaften zugeneigt ist und durch die Forschungen von unterschiedlichen Wissenschaftlern zu ihrer heutigen Form gelangt ist, sich jedoch auch heute noch immer weiter entwickelt. Der Mensch wird als ein kontinuierlich lernendes Wesen verstanden. Hierbei geht es darum, dass Symptome nichts anderes sind, als falsch erlernte Reaktionen bzw. Handlungen. Man nennt diese auch „dysfunktionale Verhaltensweisen“. Verhaltenstherapie im ursprünglichen Sinne soll also dabei helfen das falsch erlernte Verhalten zu verlernen und neues funktionales Verhalten aufzubauen.

Im Laufe der Zeit wurde diese Therapieform weiterentwickelt und weitere wichtige Elemente fanden Beachtung. So wurde, im Rahmen der sogenannten kognitiven Wende, den Gedanken (bzw. Kognitionen = lat. erkennen, erfahren) mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurde also nicht mehr ausschließlich das Verhalten beobachtet und durch Methoden wie Konditionierung versucht zu verändern, sondern es wurden auch die oft quälenden Gedanken, die hinter den problematischen Verhaltensweisen stehen, untersucht und durch die Entwicklung verschiedener Methoden, wie z.B. der kognitiven Umstrukturierung, bearbeitet. Hieraus entstand die Bezeichnung „kognitive Verhaltenstherapie“.

Durch eine zunehmende Komplexität der theoretischen Modelle und der darin berücksichtigten Prozesse des menschlichen Fühlens, entstand die emotionale Wende der Verhaltenstherapie. Hier ist vor allem die Erkenntnis zu nennen, Handeln sei begleitet durch konstante innere Selbstgespräche, die durch individuelle, also jeder Person ganz eigene, Bewertungen, Einstellungen und Grundannahmen über sich und die Welt, gesteuert werden. Eine weitere Erkenntnis hat die Verhaltenstherapie in den vergangenen Jahrzehnten revolutioniert. Lange wurde von Verhaltenstherapeuten die Bedeutung der therapeutischen Beziehung bagatellisiert. Was die Psychoanalyse z.B. von Beginn an als eine ihrer Kernaufgaben gesehen hat, wurde hier stiefmütterlich behandelt. Es gibt jedoch keine unpersönliche Therapie nach Lehrbuch. Die Frage lautet in der Beziehungsgestaltung der Verhaltenstherapie: Wie gehen Klient/in und Therapeut/in in Kontakt? Wie gestaltet sich die Kommunikation miteinander? Welche Bedürfnisse hat der/die Klient/in?

Verhaltenstherapie ist heute also nicht mehr die reine Veränderung dysfunktionalen Verhaltens, sondern setzt auch an den inneren Dialogen des Patienten an, versucht dabei zu unterstützen diesen die angsteinflößende oder störende, quälende Komponente zu nehmen und berücksichtigt die persönliche Beziehungsebene zwischen Klient/in und Therapeut/in. Verhaltenstherapie ist eines der Richtlinienverfahren, das von Krankenkassen finanziert wird. Eine Therapiestunde dauert in der Regel 50 Minuten und findet wöchentlich statt. Andere Absprachen zu Abständen der Therapiesitzungen sind jedoch auch möglich.

Quellen:
Hautzinger, M. & Linden, M. (Hrsg.). (2015). Verhaltenstherapiemanual (8. Auflage). Springer: Berlin.
Zarbock, G. (2011). Praxisbuch Verhaltenstherapie: Grundlagen und Anwendungen biographisch-systemischer Verhaltenstherapie. Pabst Science Publishers: Lengerich.

Tiefenpsychologische Therapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, auch Tiefenpsychologie genannt, entwickelte sich vor allem aus der Psychoanalyse heraus. Diese Therapieform geht davon aus, dass psychische Erkrankungen durch Fehlentwicklungen in der Kindheit entstehen, die nicht durch erworbene Strategien gelöst oder ausgeglichen werden können, sondern sich verfestigt haben. Es wird davon ausgegangen, dass unser Denken, Fühlen und Handeln sowie unsere körperliche Gesundheit nicht ausschließlich unserem Willen unterliegen, sondern auch durch unbewusste Prozesse beeinflusst werden. Vor allem innere Konflikte, z.B. zwischen dem Wunsch nach Freiheit bzw. Autonomie und dem Wunsch nach Geborgenheit und dem danach versorgt zu werden. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt also in der Bearbeitung von aktuellen Konflikten, die durch (unbewusste) Eigenschaften entstanden sind und im Laufe des Lebens erworben wurden. Im Vergleich zur Psychoanalyse, schenkt die tiefenpsychologisch fundierte Therapie der frühen Kindheit weniger Beachtung, es wird weitgehend zielorientiert gearbeitet und die Ziele werden gemeinsam erarbeitet. Dabei hält sich die Therapeutin/der Therapeut jedoch weitestgehend zurück und versucht nur wenig richtungsweisende Anmerkungen zu geben.

Aufgabe der Therapie ist es, Kernkonflikte zu identifizieren und herauszuarbeiten, vor allem aber bewusst zu machen und alternative Umgangsformen mit den Problemen zu erörtern. Dies geschieht auch aufgrund der therapeutischen Beziehung, da davon ausgegangen wird, dass die inneren Konflikte auch die Beziehung zwischen Klient/in und Therapeut/in bestimmen. Auch wenn diese Therapieform ihren Ursprung in der Psychoanalyse findet, geht es hier weniger um eine Umstrukturierung der Persönlichkeit, sondern vielmehr um einen leichteren Umgang mit den eigenen inneren Konflikten. Der emotionale Umgang mit Konflikten steht dabei recht stark im Mittelpunkt.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eines der Richtlinienverfahren, das von Krankenkassen finanziert wird. Eine Therapiestunde dauert in der Regel 50 Minuten und findet wöchentlich statt. Andere Absprachen zu Abständen der Therapiesitzungen sind jedoch auch möglich.

Quellen:
Elhardt, S. (2015). Tiefenpsychologie: Eine Einführung (18. Auflage). Verlag W. Kohlhammer: Stuttgart.

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse geht von einem Menschenbild aus, das besagt, unbewusste Faktoren beeinflussen das Fühlen, Denken und Handeln einer Person. Diese unbewussten Faktoren können sich in inneren psychischen Konflikten niederschlagen und somit zu einer psychischen Erkrankung führen. Es werden die Auswirkungen von frühkindlicher Entwicklung, traumatischen Ereignissen und aktuellen Konflikten auf die Seele untersucht und bearbeitet.

Die meisten, in der Psychoanalyse verwendeten, Methoden haben einige Grundprinzipien gemeinsam. Es wird davon ausgegangen, dass sich die in der frühen Kindheit bzw. im Laufe des Lebens gemachten zwischenmenschlichen Erfahrungen des Patienten/der Patientin auch auf die Beziehung zum Psychotherapeuten/zur Psychotherapeutin auswirken (Übertragungsprinzip). Des Weiteren kommt es bei dem/der Klient/in zu sog. Widerstand, und zwar immer dann, wenn er/sie an der Störung festhält und Angst hat diese genauer zu betrachten und zu überwinden. Im Rahmen der Therapie soll der/die Patient/in an frühere Entwicklungsstufen zurückkehren (dies geschieht meist durch freie Assoziation = freier Gedankenfluss) und aus diesen heraus die Konflikte bewältigen. Dieser Prozess wird Regression genannt. Das letzte grundlegende Prinzip ist das der Gegenübertragung. Hierbei handelt es sich um die emotionale Reaktion, die der/die Therapeut/in bei sich selbst wahrnimmt als Antwort auf Übertragungen, Widerstände und Regression des Klienten /der Klientin. Die wahrgenommene Gegenübertragung setzt der/die Therapeut/in wieder in Bezug zu seinem Klienten/seiner Klientin und bietet Deutungen an (z.B. was kann das Gefühl, welches der/die Klient/in gerade verspürt, mit früheren Ereignissen im Leben zu tun haben; mit der Beziehung zu der Mutter; … etc.). Durch die Expertise des/der Therapeutin die drei genannten Grundprinzipien (Übertragung, Widerstand, Regression und Gegenübertragung) achtsam anzuwenden, kann sich in der Psychoanalyse therapeutische Wirkung entfalten. Grundsätzlich gilt jedoch, das therapeutische Vorgehen in der Psychoanalyse ist sehr zurückhaltend und gibt dem Patienten/der Patientin viel Raum zur Entfaltung von Emotionen. Es gibt keine Verhaltensexperimente oder klar formulierte Ziele, es geht vielmehr darum ergebnisoffen u.a. Gefühle wahrzunehmen, für sich einordnen zu lernen und Einsichten zu gewinnen.

Psychoanalyse ist eines der Richtlinienverfahren, das von Krankenkassen finanziert wird. Eine Therapiestunde dauert in der Regel 50 Minuten und findet wöchentlich statt. Andere Absprachen zu Abständen der Therapiesitzungen sind jedoch auch möglich.

Quellen:
Elhardt, S. (2015). Tiefenpsychologie: Eine Einführung (18. Auflage). Verlag W. Kohlhammer: Stuttgart.

Weitere Verfahren

Die psychotherapeutischen Schulen und Strömungen sind vielfältig und befinden sich in einer konstanten Entwicklung. Jedoch werden nicht alle vorhandenen Therapierichtungen als wissenschaftlich anerkannt oder ausreichend erforscht bzw. etabliert angesehen. Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie und Psychoanalyse sind die drei sog. Richtlinienverfahren, die auch von gesetzlichen und privaten Krankenkassen finanziert werden. Sie gelten als wissenschaftlich fundiert. Dies bedeutet, es wurden ausreichend viele Studien durchgeführt, die ergeben haben, dass von ihnen eine positive Wirkung auf psychische Erkrankungen ausgeht.

Es gibt zurzeit noch zwei weitere wissenschaftlich anerkannte Verfahren, die jedoch nicht zu den bereits beschriebenen Richtlinienverfahren gehören und auch (noch) nicht von Krankenkassen finanziert werden, wenngleich viel Forschung in diesem Bereich betrieben wird: systemische Therapie und Gesprächspsychotherapie.

Systemische Therapie:

Die systemische Therapie hat sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Probleme oder Störungen wird hier nicht ausschließlich in der Patientin/dem Patienten selbst gesucht, sondern setzt diese in den Kontext von sozialen Beziehungen. Es wird also das „System“ betrachtet, in dem sich der/die Klient/in bewegt und durch welches er/sie geprägt wird. Das System ist hierbei nicht nur auf die Familie beschränkt, sondern schließt alle sozialen Ebenen mit ein. Es werden folglich diejenigen Beziehungsprozesse in der Therapie betrachtet, die an Entstehung und Aufrechterhaltung des Problems beteiligt sind. Sie sind nämlich, so sieht es der systemische Ansatz, auch von Relevanz, wenn es darum geht eine Lösung oder Verbesserung der Problematik zu erreichen. Häufig wird mit Hilfe von Metaphern gearbeitet oder durch das sog. zirkuläre Fragen versucht die Perspektive einer anderen Person aus dem System einzunehmen und dadurch zu neuen Erkenntnissen und Sichtweisen der Problematik zu gelangen. Auch im Rahmen der systemischen Therapie finden sich jedoch diverse Strömungen, die jeweils unterschiedliche Theoriekonstrukte und Methoden anwenden.

Gesprächspsychotherapie:

Die Gesprächspsychotherapie wurde von einem amerikanischen Psychologen namens Carl R. Rogers entwickelt. Der Kern dieser Therapieform besteht darin, dass der/die Klient/in sich der bedingungslosen Wertschätzung, Akzeptanz und Toleranz des Therapeuten/der Therapeutin sicher sein kann. Im Rahmen einer wohlwollenden Atmosphäre und mit Hilfe von Methoden wie Zusammenfassen von Inhalten oder Spiegeln von Gefühlen versucht der/die Therapeut/in dabei zu unterstützen eigenständig zu Lösungsansätzen für die Problematik des Klienten/der Klientin zu kommen. Es geht hierbei also um das Wachstum des Selbstwirksamkeitserlebens und damit einer Entwicklung der Problemlösefähigkeit.

Weitere:

Im Folgenden möchte ich noch kurz auf weitere Psychotherapieschulen eingehen, deren Sichtweisen und Methoden ich auch in meiner Arbeit als Verhaltenstherapeutin einsetze.

Schematherapie:

Die Schematherapie wurde von Jeffrey E. Young entwickelt und zählt zu der Methode der kognitiven Verhaltenstherapie. Young erweiterte die Methoden der kognitiven Therapie um weitere Elemente, unter anderem der psychodynamischen Lehre. Der Einsatzbereich dieser Therapiemethode sollte vor allem im Bereich chronischer psychischer Erkrankungen (also chronische Depression und Angststörungen, sowie Persönlichkeitsstörungen) liegen.

Die grundlegende Annahme, die die Schematherapie für sich nutzt, besagt, dass bereits in den ersten zwei Lebensjahren eines Menschen wesentliche Beziehungserfahrungen gemacht werden, welche sich als Schemata in der Persönlichkeit des Kindes verankern. Schemata werden hier als Muster verstanden in denen Erinnerungen, Kognitionen, Emotionen und Körperempfindungen wahrgenommen werden und welche das Verhalten einer Person modulieren. Werden im Kindesalter grundlegende Bedürfnisse (z.B. Gefühl von Sicherheit) nicht ausreichend erfüllt, können sich maladaptive Schemata ausbilden (z.B. „ich bin nirgendwo sicher und muss ständig auf der Hut sein“), die in misslungenen Bewältigungsversuchen (z.B. niemandem vertrauen) und letztlich in einer psychischen Erkrankung münden. Dabei sind diese Dynamiken meist unbewusst. Daher ist es als die Aufgabe der Therapie zu verstehen, die ungestillten kindlichen Bedürfnisse herauszufinden, angemessene Problemlösestrategien im Sinne eines gesunden Erwachsenen zu entwickeln und diese lernen anzuwenden.

Akzeptanz und Commitmenttherapie (ACT):

Die Akzeptanz und Commitmenttherapie ist eine verhaltenstherapeutisch orientierte Therapieform, die in den letzten 20 Jahren vor allem in den USA entwickelt wurde und achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Techniken in den Vordergrund stellt. Ziel ist es, die psychische Flexibilität zu erhöhen, also z.B. zu seinen eigenen Gedanken, in denen man sich zeitweise droht zu verheddern, Abstand zu gewinnen.

Es werden zwei wichtige Prozesse bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen postuliert. Zum einen die sog. kognitive Fusion, die als gedankliche Einengung und ein übertriebenes Ernstnehmen der Gedanken zu verstehen ist. Zum anderen der Prozess der Erlebnisvermeidung, der besagt, dass eine Situation, die Angst, Unbehagen, Schmerz, etc. auszulösen vermag, um jeden Preis vermieden werden sollte. Durch fehlende Achtsamkeit erlebt die Person sich nun nicht mehr als Urheberin des Verhaltens, sondern verschmilzt mit dem Erleben (z.B. „ich bin traurig“, anstatt: „ich beobachte ein Gefühl von Traurigkeit in mir“). Dies führt letztendlich zu einer Unklarheit von Werten und damit zu einem Mangel an engagiertem Handeln (= Commitment), was in Konsequenz als psychische Inflexibilität verstanden werden kann. Die Methoden der ACT dienen also hauptsächlich dem Perspektivwechsel auf die eigene Situation, der u.a. durch Akzeptanz (nicht als ein Hinnehmen der Situation zu verstehen) und Achtsamkeit erreicht werden kann, was letztendlich zu einer Verhaltensänderung führt.

Quellen:
Eifert, H. G. (2011). Fortschritte der Psychotherapie: Band 45: Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Hogrefe.
Roediger, E. (2016). Schematherapie: Grundlagen, Modell und Praxis (3. Aufl.). Schattauer: Stuttgart.
Rogers, C. R. (1983). Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie. Client-Centered Therapy (20.Aufl.). Fischer: Frankfurt/Main
Schlippe, A. & Schweitzer, J. (2016). Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I: Das Grundlagenwissen (3. Aufl.). Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen.